Lyon Cité – meine Zeit in der hübschen Gourmet-Stadt

Nach einer klitzekleinen Verzögerung 🙂 geht es hier nun weiter mit meiner Reise.

Noch etwas zur Mobilität in Lyon:

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, funktioniert die Navigation mit GoogleMaps für öffentliche Verkehrsmittel überhaupt nicht, die App kennt den Nahverkehr nicht. Alternativ zum Laufen schlägt die App E-Scooter vor. Die gibt es in der Stadt in großen Mengen, allerdings können diese schnell ziemlich teuer werden, da pro Minute gezahlt wird. … das erklärt vielleicht auch die halsbrecherische Fahrtgeschwindigkeit der Scooter-Nutzer.

Die App Maps.Me kennt immerhin die U-Bahn-Verbindung (Metro).

Genauere Infos wie Abfahrtszeiten und weitere Verkehrsmittel wie Busse (Achtung in der Rushhour: Stau) und Straßenbahnen kriegt man aber nur über die App des lokalen Verkehrsbetriebs, TCL.

Theoretisch gibt es auch noch die umweltfreundliche Alternative der Leihräder, vor allem des Anbieters vélo’V. Hier kann man sich bspw. für 5 € für einen Monat registrieren und fährt in dieser Zeit sämtliche Räder für die ersten dreißig Minuten kostenlos (danach ein paar Cent pro Zeit X). Da es überall in der Stadt Räder gibt, kann man einfach halbstündig wechseln, so dass man quasi kostenlos unterwegs ist. So die Theorie.

Bei mir funktionierte leider die Registrierung nicht; trotz mehrerer Versuche mit mehreren E-Mail-Adressen bekam ich keine Bestätigungsmail und erfuhr später, dass es sowohl der Engländerin als auch Französin in meinem Zimmer genauso ging.

Ich bin dann tapfer zu Fuß gegangen, habe die nächsten Tage aber meist die Metro vorgezogen (für 1,90 € kann man eine Stunde lang alle Linien nutzen) und mich trotzdem noch reichlich bewegt.

Stadtteile und Sehenswürdigkeiten

Lyon hat etwa 500.000 Einwohner, wobei das Ballungsgebiet um Lyon deutlich größer ist. Die Stadt ist teils recht hügelig und liegt eingebettet an und zwischen den Ufern der Flüsse Saône und Rhône. Viele der meist mindestens fünf- oder sechsstöckigen Häuser sind im mediterranen Renaissancestil gebaut mit schönen roten Dachziegeln und krummen Schornsteinen.

Der mit hellen Steinen gemauerte Ausbau der Flussufer der Saône im Zentrum erinnert deutlich an den der Seine in Paris. Unten am Fluss findet man hauptsächlich Jogger und Gassigänger, kann aber auf den wenigen Bänken die ufernahen Seerosen bewundern und ab und an erstaunlich große Fische aus dem Wasser springen und mit erbeutetem Insekt laut platschend wieder im Wasser verschwinden sehen.

Am Ufer der Rhône findet man dagegen teils breitere Spazier- und Radwege und im sechsten Arrondissements, kurz vor dem Park Tête d‘Or, auch ein paar Mini-Strände und hübsche Hausboote mit tollem Blick auf das erhöht zwischen beiden Flüssen liegende Viertel Croix Rousse.

Die Beschreibung des Viertels Croix Rousse auf Wikivoyage erinnert mich an Köln-Deutz: Hier heißt es, dass die Einwohner, trotz zentraler Lage in der Stadt, davon reden „nach Lyon“ zu gehen, wenn sie ihren Hügel verlassen.

Tatsächlich hat das Viertel einen etwas dörflichen, ruhigeren Charakter als der Rest der Stadt und bietet nahe des Hauptplatz einen schönen Fernblick nach Osten. Es gibt ein paar Cafés und Kneipen und sonst vor allem viele mehr oder weniger normale Wohnhäuser. Ein paar exzentrische Exemplare gibt es aber auch.

Östlich gegenüber der Rhône liegt der Park Tête d’Or, die grüne Oase Lyons und einer der größten Parks Frankreichs.

Er wurde zur gleichen Zeit wie der Central Park in New York geplant und hier könnte man mit den Attraktionen getrost einen Tag verbringen.

Bekannt sind vor allem der große Botanische Garten, ein sehr hübsch gestalteter Gewächshaus-Komplex sowie der Zoo und ein Tierpark mit afrikanischem Steppenthema.

Auf dem großen See kann man Tretboot fahren, drum herum fahren Sightseeing-Bimmelbahnen durch den Park.

Es gibt auch noch einen riesigen Rosengarten, diverse Kinderbespaßungen von Spielplatz bis Schlauchboot-Planschbecken und einige Cafés.

Man sollte es hier aber unbedingt den Franzosen gleichtun und einfach irgendwo im Schatten mit mitgebrachten Baguettes picknicken oder ein Buch lesen.

Auch ich mache das nahe des Sees und werde in Anbetracht meines Essens in kurzer Zeit von Gänsen umzingelt, die mit kehligen Hupgeräuschen ausdrücken, dass sie gerne mitpicknicken würden.

Im ersten Arrondissement, wieder zwischen den beiden Flüssen, südlich von Croix Rousse geht es deutlich geschäftiger zu. Das Viertel heißt offiziell Les Terreaux, auf Karten findet man aber häufig nur kleinteiligere Bezeichnungen wie Les Cordeliers und Bellecour Cordeliers.

Hier findet man das Hôtel de Ville (Rathaus, aktuell mit riesiger Baustelle davor) und die Oper, die von weitem an eine riesige, auf der Seite liegende Konservendose erinnert. Außerdem die obligatorischen Shopping-Straßen und einige Cafés und Restaurants, vor allem entlang der Plätze, z.B. Place de Jacobins mit schönem Brunnen und dem großen Platz Bellecour. An letzterem findet sich die Haupt-Touristeninformation sowie die gleichnamige Metro-Station, wo einige Linien aufeinander treffen.

Überquert man vom Place Bellecour aus wieder die Saône, ist man in der Altstadt, Vieux Lyon. Hier gibt es zahlreiche kleine Gassen, die Cathédrale Saint-Jean-Baptiste und endlose Cafés, Bistros, Restaurants, Bäckereien und Eisdielen. Und Touristen. Zumindest Anfang August.

Es ist gar nicht so einfach hier ein Foto der Gassen zu machen: Als ich es versuche, wird der Blick erst von einem mampfenden Amerikaner in Coca-Cola-Shirt und Badeschlappen versperrt, dann von einer zum Rauchen stehengebliebenen und dabei laut krakeelenden Spanierin mit Riesenhut, die dann abgelöst wird von einer deutschen Familie in beigen kurzen Hosen und Sandalen samt weißen Socken. So viel Klischee auf so wenigen Quadratmetern.

In der Altstadt gibt es in den Nebengassen auch einige nette Einzelhändler, z.B. ein kleines Geschäft, das sich gänzlich auf alte Bild- und Comicbände spezialisiert hat, z.B. Les Aventures de Tintin (Tim und Struppi), sowie ein Laden, der nichts als Brettspiele verkauft.

Von der Altstadt aus führen zwei Bahnen den Berg herauf zum Stadtteil Fourvière: Eine zur gleichnamigen Haltestelle an der Basilique Notre Dame de Fourvière, einer äußerst pompösen weißen Kirche, die ganz am Rand des Hügels liegt und neben der ein breiter Aussichtsplatz mit tollem Weitblick nach Osten über die Stadt liegt. An einem klaren Abend sehe ich dort ganz in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Alpen (den Mont Blanc?) im letzten Licht leuchten.

Am Tag kann man von hier beobachten, wie Autos und Menschen wie Ameisen an der Saône herumwuseln oder E-Scooter-Fahrer auf dem Place Bellecour herumdüsen.

(Und ja, ich war zweimal in Fourvière -beim ersten Mal habe ich den Hügel sogar zu Fuß erklommen- um zu verschiedenen Tageszeiten die Aussicht und relative Ruhe dort oben zu genießen.)

Gestört wird die Ruhe am Aussichtspunkt nur, wenn ein Reisebus dort eine geführte Touristengruppe ausspuckt, in meinem Fall scheinbar aus Sachsen: Jede Menge ältere Herrschaften in beigen Freizeithosen und Sportsandalen strömen zur Brüstung und bewundert die Aussicht. Nur die Dame, die sich neben mir auf die Bank plumpsen lässt, bewundert stattdessen, was aus den Wandersandalen ihres Mitreisenden herausragt: „Häs do dir dä Fößö verbrannt?“

Vom Aussichtsbereich neben der Kirche kann man auch getrost zur Touri-Haltestelle der anderen Bergbahn laufen: Am Théâtres Romains sind die Ruinen zweier römischer Amphitheater zu begucken und begehen. Dort finden wohl auch regelmäßig Aufführungen statt. In der Mittagszeit wird man dort mangels Schatten übrigens im eigenen Saft geschmort, so dass die meisten Menschen nur für ein paar schnelle Selfies halten.

Meine Zufallsentdeckung auf der Suche nach Trinkwasser (es gibt überall in der Stadt Hähne und Brunnen hierfür) bietet allerdings die für mich ungewöhnlichste Aussicht: Ich stoße auf einen sehr alten Friedhof, jedes Grab hier verdient den Titel Mausoleum, gekrönt von Kreuzen, Engelsstatuen und allerlei anderem aufwendigen Schmuck.

Ich habe fotografisches Glück mit dem Wetter, als sich über dem Friedhof einige eindrucksvolle Gewitterwolken auftun:

Zum Schluss habe ich mir noch den südlichen Bereich zwischen den beiden Flüssen angesehen, den Stadtteil La Confluence. Diesen könnte man ein bisschen mit dem Kölner Rheinauhafen und dem Düsseldorfer Medienhafen vergleichen: Sehr moderne und teils sehr ungewöhnliche und eindrucksvolle Architektur, ein kleines Hafenbecken für Yachten und Rundfahrtschiffen nebst einem Shoppingcenter und einer Vielzahl sehr hipper und szeniger Cafés und Bistros.

Ich futtere hier zufrieden ein äußerst günstiges Mittagessen, das ich zwanzig Minuten zuvor über die App Too Good To Go in einem Healthy Living Bio-Bistro geordert habe. Dabei beobachte ich, wie ein sportlich-stylischer Franzose seiner Französischen Bulldogge Abhilfe gegen die Hitze verschafft, indem sie ausführlich unter einem Trinkwasserspender duscht – was diese mit glücklichem Grunzen quittiert.

Was mir in Lyon noch als nett empfohlen wurde, ich aber nicht mehr geschafft habe anzusehen: Ein Spaziergang am linken Ufer der Saône Richtung Norden: grün, hübsch, und ein Besuch der kleinen Insel in der Saône, etwa zwanzig Minuten mit dem Rad ebenfalls nach Norden.

Am linken Ufer der Rhône gibt es auf Höhe des Place Bellecour übrigens auch ein Schwimmbad direkt am Wasser. Auf Bildern sah das sehr nett aus, vor Ort war es allerdings großräumig abgesperrt und von außen nicht so sehenswert, zumal die Umgebung hauptsächlich von Handyschalenläden (ja, es gibt sie noch) geprägt ist.

Mir hat Lyon sehr gut gefallen: Eine hübsche, gemütliche, geschäftige und abwechslungsreiche Stadt, die für jeden Geschmack etwas bietet.

Hier wird es einem so schnell nicht langweilig – bei mir ging es nach einer guten Woche weiter.

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten